Stellt Euch vor, es ist etwa 10 Uhr morgens. Nach einer feuchten Nacht auf dem Campingplatz von Bettyhill, mit nur unzureichenden sanitären Einrichtungen, freut Ihr Euch auf ein schönes Frühstück. Also auf nach Tongue, denn das ist der nächst größere Ort. Aber Pustekuchen, außer Spesen nichts gewesen, in einem Gemischtwarenladenpubrestaurantposttreffpunkt gibt es grade mal einen, nicht wirklich leckeren, Kaffee. Also weiter nach Lairg, denn auf dem Weg dorthin gibt es einen Ort namens Crask Inn, komischer Name eigentlich, aber egal, in Wales gibt's ja auch einen Ort namens "Three Cocks Inn" (die Ärmste, wenn das mal nicht weh tut).

Man fährt und fährt und denkt, jetzt muß doch bald der Ort kommen und tatsächlich, ein Haus, das wird der erste vorgelagerte Posten des Ortes sein. Etwa 10 Meilen später erkennt Ihr, daß das Haus alles war.

Jetzt kommt die Frage, weiterfahren oder zurück?

Der Magen hat gesiegt, also zurück zum Crask Inn, der immerhin auf einer Straßenkarte für ganz Großbritannien erwähnt ist.

Drinnen angekommen merkt man, daß sich das umdrehen gelohnt hat.

Eine freundliche Frau mittleren Alters steht hinter einer Theke, an der ungefähr 25 Whiskysorten und ebenso viele Single Malts aufgeführt sind. Die Theke steht in einem Gastraum mit etwa 3 Tischen und einem Kamin, in dem ein Torffeuer brennt. Die Speisekarte läßt auswählen zwischen Suppe oder Brei (naja, nicht ganz so klischeehaft)

Nach einer Weile und einem, nicht wirklich leckeren, Kaffee kommt auch der Hausherr, seines Zeichens wohl Schäfer, mit zwei Exemplaren der freundlichsten aller Spezies auf diesem Planeten zur Tür hinein. Nasse Hunde.

Diese kuscheln sich natürlich nicht an das wärmende Feuer, sondern an unsere, am Leib befindlichen, letzten! trockenen Klamotten.

Trotz nasser Klamotten und Übermüdung kann ich sagen, daß ein Besuch dieses Inn's jedem Schottlandbesucher zu empfehlen ist, es sei denn, man kommt nicht ohne drei Gänge Menü und weißen Häubchen aus.

Anmerkung 2000: OK OK, das Bild oben stammt aus dem diesjährigen Urlaub, wo wir Gott sei Dank keine nassen Klamotten hatten. Aber die Hunde waren genauso freundlich, wenn auch weniger naß. Das Torffeuer konnte man wenigstens noch riechen. Aber das tat der Idylle keinen Abbruch, zumal die Schafe grade Lämmer geworfen haben (bitte nicht fragen ob sie hoch oder weit geworfen haben, der Witz ist alt) und der Schäfer mit einem Neugeborenen auf dem Arm zu Tür hereingeschneit kam.